Ingenieurspsychologie

Warum die Ingenieurspsychologie so wichtig ist

Wir allen kennen ein kleines Filmchen, das per E-Mail-Anhang um die Welt ging: Ein entnervter Computernutzer drischt auf seine Tastatur ein, danach auf den Bildschirm, bis dieser vom Schreibtisch fällt und krönt seinen Ausraster mit einem Fußtritt des Bildschirms. Dieses Szenario wurde von einer Minikamera gefilmt und ging um die Welt. Und eine ähnliche Situation, wenn auch nicht im vollumfänglichen Umfang des Films hat sicher genauso schon jeder einmal erlebt. Wenn der Mensch nämlich vor der Technik kapituliert, kommt es schnell zu massiven Wutausbrüchen, unter denen die Technik leidet. Genauso klar ist aber auch, dass Technik nur das kann, was der vor ihr sitzende Mensch kann. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass Mensch und Maschine zusammen harmonieren.

Die geschichtliche Entwicklung

Bis vor wenigen Jahren wurde die gesamte Technik von gut ausgebildeten Ingenieuren entwickelt, die in ihrem Fachbereich studiert hatten. Für sie war klar: Entwickeln wir Technik, dann können wir ein Grundverständnis des Anwenders voraussetzen. Denn diese Technik wird nur von speziell ausgebildeten und geschulten Personen bedient. Demzufolge wurde die Technik vom Profi für den Profi entwickelt.

Dann jedoch eroberte die Technik den Alltag, in Form von DVD-Playern, High-Tech-Kaffeeautomaten oder schlicht und ergreifend der Waschmaschine. Immer mehr Hausfrauen und „Otto-Normal-Verbraucher“ waren plötzlich die Anwender der Technik, die hochqualifizierte Ingenieure entwickelten. Damit war es vorbei mit dem Gedanken, dass ein gewisses Grundverständnis technischer Begriffe vorausgesetzt werden kann, wenn man Technik entwickelt. Es begann der Umbruch im Bereich der Ingenieure und damit die Entstehung der heutigen Ingenieurspsychologie.

Was macht die Ingenieurspsychologie?

Die Ingenieurspsychologie beschäftigt sich demzufolge mit den Denkweisen der Menschen. Unser Gehirn hat sich im Laufe von Millionen von Jahren entwickelt. Noch heute agieren wir in bestimmten Situationen nach einem typischen Muster. Wir denken also in vielen Fällen wie unsere Urahnen. Und genau deshalb ist es so schwierig, die Denkweise von Ingenieuren zu verstehen, die Technik für Profis gestalten. Die Ingenieurspsychologie dagegen beschäftigt sich damit, wie man Technik entwickeln und dabei direkt an den Laien denken kann.

Zahlreiche Programme, die zum Beispiel von Studenten in diesen Bereichen ins Leben gerufen wurden, zeigen bereits heute, wie man Technik sinnvoll und einfach erläutern kann. Wer einmal an den letzten Kauf einer Zugfahrkarte denkt, wird mit Sicherheit bei den verschiedenen Fahrkartenautomaten vor einigen Fragen gestanden haben. Irgendwann gibt der Mensch entnervt auf und stellt sich in der Schlange am Schalter an, sofern denn überhaupt noch einer zur Verfügung steht. Denn der eigentliche Sinn der Einführung der Fahrkartenautomaten besteht ja darin, Personal abzubauen und somit Kosten einzusparen. Allerdings hat man hierbei nicht an den Anwender gedacht. Nicht nur ältere Personen sind vom Fahrkartenautomaten völlig überfordert, auch jüngere Menschen verstehen viele Dinge dabei nicht.

Eine Gruppe von Studenten der Ingenieurspsychologie hat deshalb einen Schulungsfilm mit der Minikamera erstellt. In diesem richtet man sich gezielt an ältere Personen. Sie bekommen Schritt für Schritt erklärt, welche Tasten sie drücken müssen, um die gewünschte Fahrkarte zu erhalten. Dabei wird in dem Film ein älterer Schauspieler gezeigt, der erklärt, dass er ebenfalls lange Zeit ratlos vor den Automaten gestanden hat. Diese persönliche Identifikation, die hierbei möglich wird, steigert den Lernerfolg, wie die Studenten herausfanden. So können die Anwender direkt durch die Menüs geführt werden, sie erhalten verschiedene Lektionen und üben in jeder Lektion etwas anders. Die Schwierigkeitsgrade steigen mit jeder neuen Lektion und so kann irgendwann selbst ein Laie den Fahrkartenautomaten problemlos bedienen. Alles in allem ist also die Ingenieurspsychologie deshalb so wichtig, weil die Technik unseren Alltag zunehmend mehr erobert und wir hierbei verstehen müssen, wie diese funktioniert. Dabei soll Technik einfach zu bedienen sein und es soll Freude machen, ein technisches Gerät zu bedienen.

Autor: admin
Datum: Mittwoch, 17. Februar 2010 10:02
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